Freiheit


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Quotation of the week
Månedens ordsprog
Eftertanken

 

 

 

Freiheit



von

Hugo Walther


Gudrun und Erich
waren allein
zu Hause.

Die beiden Eltern
waren auf Arbeit
in der Stadt.

Es war Samstag,
aber die Eltern
mussten trotzdem
arbeiten,
um mehr Geld
zu verdienen.

„Was machen wir",
sagte Erich.
„Eigentlich
sind wir ganz frei,
wenn unsere Eltern nicht
hier sind."

„Du meinst,
dass wir machen können,
was wir wollen.
Das geht ja nicht."

„Warum nicht?
Wir haben
unsere Freiheit –
die totale Freiheit."

„Das heisst,"
sagte Gudrun,
„dass wenn ich Lust dazu habe,
unseren bösen Nachbar
zu töten,
kann ich es
jetzt tun.
Ich mag den Mann
einfach nicht."

„Ja,
aber töten ist strafbar."

„Das weiss ich.
Ich habe es auch nicht
so gemeint.
Denn es gibt was,
dass Verantwortlichkeit heisst.
Wir haben Freiheit –
alle Menschen haben
ihre eigene Freiheit.
Sie haben aber auch
Verantwortung."

„Sind Freiheit
und Verantwortung
dasselbe?"

„Nein –
sie sind aber
eng verbunden.
Verantwortung
kann man nicht haben
ohne Freiheit.
Und umgekehrt."

„Ja,
darüber haben wir
in meiner Klasse
diskutiert.
Wir waren
ganz und gar nicht einig.
Liese hat gesagt,
dass Freiheit
menschlich ist,
und Verantwortung
göttlich."

„Quatsch!
Beide sind göttlich."

„Wie verstehst du das –
göttlich?
Was ist das?"

„Das ist
eine lange Geschichte.
Jeder Mensch hat
ein inneres göttliches Leben.
Ohne das göttliche Leben
kann man nicht leben,
wie ein Mensch leben muss."

„Und wie soll
ein Mensch leben?"

„Ohne egoistisch
zu sein.
Das Egoismus
verbreitet sich,
und das göttliche Leben
wird zerstört."

„Was meinst du eigentlich?
Das geistliche Leben?"

„Genau, so ist es."

Die zwei Kinder
spekulierten.
War es wirklich so,
dass wir in
irgendeiner Weise
zwei Leben hätten?
Ein inneres Leben,
das göttliche,
und ein äuseres Leben,
das man Wektagsleben
nennen könnte?

„Wer hat uns
das göttliche Leben
geschenkt,"
fragte Erich.

„Gott.
Wenn wir geboren waren.
Es ist in
unserem Inneren.
Von dort können wir
die Kraft nehmen,
die notwendig ist,
unsere Freiheit
zu verwalten.
Freiheit ohne das innere Leben
verwandelt uns
zu egoistishen Menschen."

„Ich fühle mich frei.
Ich kann machen, was ich will.
So ist es auch
mit dir."

„Also kann ich
deiner Meinung nach,
den bösen Nachbar töten."

„Eigentlich ja.
Es gibt aber
Probleme."

„Also ich schiesse ihn nicht.
Er verdient es aber!"

Die zwei Kinder diskutierten,
bis ihre Eltern
nach Hause kamen.

Die erste Frage
des Vaters
war wie immer:
„Seid Ihr
mit den Schularbeiten fertig?"

„Wir haben keine,"
sagte Gudrun.
„Wir haben aber diskutiert,
was Freiheit ist."
Weißt du das?"

„Freiheit,"
sagte Vater.
„Das ist,
wenn man seine Arbeit
fertig gemacht hat."

„Nein," sagten Gudrun und Erich.
„Freiheit ist,
wenn man unabhängig ist
von seinen Eltern.
Darum gehen wir
zu Bett.
Gute Nacht!"


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